Recyclingbeton - nur eines von 80 Mainzer Klimaschutz-Projekten - „Masterplan 100 % Klimaschutz“ ist 168 Seiten stark / Vorbildfunktion der Kommune soll sichtbarer werden

Beachtliche 168 Seiten umfasst der Bericht zum Ende der geförderten Phase (2016 bis 2020) durch die „Exzellenzinitiative“ des Bundesumweltministeriums. Summa summarum erhielt Mainz in den zurückliegenden vier Jahren rund 3,5 Millionen Euro an Fördermitteln. Sie flossen beispielsweise in Konzepte, Kampagnen und konkrete Investitionen; vor allem in puncto Elektromobilität und in die Energieeffizienz von Gebäuden (wie Baustandards, Sanierung und Solarnutzung).

Alter Beton reduziert Treibhausgas-Emissionen

Insgesamt listet der Abschlussbericht (für die erste Umsetzungsphase) etwas mehr als 80 konkrete Klimaschutzprojekte auf – eines interessanter als das andere. Besonders bemerkenswert vielleicht die Maßnahme des Entsorgungsbetriebes der Stadt Mainz, bei eigenen Neubauvorhaben Recyclingbeton zu verwenden. Dieser sogenannte „RC-Beton“ reduziert einerseits die Deponiemengen beim Bauschutt und führt andererseits (im ohnehin belasteten Ballungsraum Rhein-Main) zu einer rund zehnprozentigen Einsparung an Treibhausgasen.

Denn normalerweise benötigt die Beton-Herstellung einen hohen Anteil an Kies und Sand, der nunmehr durch gebrochenen Altbeton und altes Mauerwerk – recycelte Gesteinskörnungen – weitgehend ersetzt wird. Nächstes Ziel: die Aufnahme der Bedingung RC-Beton in die Ausschreibungen aller städtischen Bauprojekte.

Die entscheidenden Erfolgsfaktoren

Gefragt nach den drei wichtigsten Schlussfolgerungen des Förderprojektes, sagt Dirk Lorig: „Kontinuität mit Hilfe geeigneter Strukturen. Klimaschutz als Querschnittsaufgabe in Verwaltung, städtischen Gesellschaften und der Zivilgesellschaft zu begreifen und zu realisieren. Partizipation und Eigeninitiative sind hierfür unabdingbar.“ Lorig ist einer der städtischen Masterplanmanager für den Klimaschutzprozess. Für ihn steht fest, dass die hohen Klimaschutzziele in Mainz nur „mit einem starken Netzwerk mit Schnittstellen zu den wichtigsten Initiativen und Stakeholdern“ realisierbar sind. Gepaart mit Offenheit, guter Kommunikation und einem ausgeprägten Wir-Gefühl der Klimaschutz-Community.

Knappes Geld, dennoch Investitionen

Auch wenn die Finanzlage der Stadt Mainz weiterhin sehr angespannt ist, der Masterplan-Prozess soll auch im laufenden Jahr nicht zu kurz kommen. Im Klartext heißt das: Die städtischen Klimaschutzanstrengungen sollen durch mehr Kommunikation und Vernetzung „sichtbarer“ gemacht werden. Dabei spiele die Vorbildfunktion von Stadtverwaltung und stadtnahen Gesellschaften eine entscheidende Rolle. Zum anderen werde weiter an notwendigen Strukturen und Kooperationen gearbeitet. Zu guter Letzt sind handfeste Investitionen geplant, etwa in die fortgesetzte „Dekarbonisierung“ des kommunalen Fuhrparks durch den Einsatz von Batterie- und Wasserstofftechnik (Fallbeispiel Brennstoffzellen-Müllfahrzeuge).

Ein zusätzliches Leuchtturmprojekt ist der H2-Elektrolyseur im Klärwerk Mainz-Mombach. Bei dieser Elektrolyse wird das Wasser – mit Hilfe von Strom – in Wasserstoff und Sauerstoff gesplittet. Der Sauerstoff lässt sich zur Beseitigung von Mikroschadstoffen einsetzen. Der Wasserstoff (H2) ist vorrangig geeignet, ins kommunale Erdgasnetz eingespeist zu werden; damit ist unter anderem der Betrieb eines städtischen H2-Fuhrparks möglich. 

Mainz singt und lacht also nicht nur, sondern bemüht sich ernsthaft und mit ersten Erfolgen um den Klimaschutz. Wer hätte das gedacht, als der Stadtrat im September 2019 den „Klimanotstand“ ausrief. Noch im ersten Halbjahr soll den zuständigen städtischen Gremien eine zweite Treibhausgas-Bilanz vorgelegt werden. Zentrales Element ist eine aktuelle Einschätzung zur Machbarkeit der bis zum Jahr 2035 geplanten Klimaschutzaktivitäten. In der jüngsten Förderphase entwickelte man dafür Monitoring- und Controlling-Instrumente. hjb

Direkter Ansprechpartner: Dirk Lorig, Masterplanmanager Klimaschutz der Stadt Mainz, Telefon: 06131-12 3162, dirk.lorig@stadt.mainz.de

Recyclingbeton

Der Zuschlagstoff Kies wird dabei durch aufbereiteten Bauschutt ersetzt, bei hohen Qualitätsanforderungen in der Regel durch Granulat aus fast reinem Betonbruch. Kies als Rohstoff wird zunehmend knapp; seine Gewinnung ist in der Regel mit erheblichen Eingriffen in die Landschaft verbunden.

Die Aufbereitung des Betonbruchs (reinigen, Fremdstoffe entfernen und zerkleinern) ist aufwendig, sodass zur Zeit der Einsatz von Recyclingbeton oft nicht zu einer Kostenersparnis führt. Das in Mainz verwendete Material wurde – nach Ausschreibung – aus Heidelberg bezogen.  (b-i)